Kaisers Mar ine
 




S.M.S. HOHENZOLLERN (1892)  

Die S.M.S.Hohenzollern lief am 27.06.1892 bei der AG Vulcan in Stettin vom Stapel. Offiziell wur­de das Schiff bei der Kaiserlichen Marine als Aviso, daher als Führerschiff für größere Kommando­verbände, geführt, tatsächlich handelte es sich jedoch um die Jacht des Kaisers. Mit der Indienststel­lung am 08.04.1893 löste sie die bisherige Kaiserjacht S.M.S. Hohenzollern, einen veralteten Rad­dampfer, ab, die ab diesem Zeitpunkt den Namen S.M.S. Kaiseradler führte.

Als kaiserliche Jacht nutzte Wilhelm II das Schiff in den Jahren bis zum Ausbruch des Krieges aus­führlich für seine Staatsbesuche und Urlaubsreisen. Der marinebegeisterte Monarch verbrachte ei­nen beträchtlichen Teil seiner Regierungszeit auf dem Schiff.

In der Zeit vom 06.05.1906 bis zum 15.04.1907 war das Schiff außer Dienst gestellt und wurde um­fangreich modernisiert.

  Obwohl die Hohenzollern offiziell als Kriegsschiff geführt wurde und über eine leichte Bewaffnung verfügte, die im Falle eines Krieges verstärkt werden sollte, erfolgte im 1. Weltkrieg keine Verwen­dung des Schiffs. Die Hohenzollern wurde bei Ausbruch des Krieges vielmehr außer Dienst gestellt. Am 27.12.1920 erfolgte die Streichung des Schiffs aus der Liste der Kriegsschiffe und im Jahr 1923 erfolgte das Abwracken in Wilhelmshaven.  Mein Foto aus dem Jahr 1910 zeigt die Heizer des Schiffes mit verschiedenem technischen Gerät.    Der ebenfalls ins Bild genommene Rettungsring zeigt deutliche Unterschiede zu den sonstigen Rin­gen der Kaiserlichen Marine: Es handelt sich um einen Rettungsring von gold-gelber Farbe mit schwarzer Aufschrift „S.M.Y. Hohenzollern“ in Groß- und Kleinbuchstaben und dem Wappen der Hohenzollern rechts und links. Diese gold-gelbe Farbe war eine Besonderheit der Rettungsringe der Kaiserjachten. Die Kaiseradler führte ihre Rettungsringe in der selben Farbe mit der Aufschrift „S.M.S. KAISERADLER“.  


S.M.S. Hohenzollern ist aus meiner Sicht nicht nur wegen der goldenen Farbe der Rettungsringe ein interessantes Schiff, sondern auch weil sich noch vergleichsweise vieleTeile erhalten haben. Hier im Bild zunächst eine Ansicht des Schiffs, gefertigt wohl in den Jahren 1893 -97 im Hamburger Hafen, mit dem Bugwappen


und im Bild rechts das erhaltene Bugwappen in der Offiziersschule Flensburg Mürwik.

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Weiterhin ein Bild der drei Steuerräder der S.M.S. Hohenzollern - beachtenswert ist die unterschiedliche Verzierung des vorderen Steuerrads und der beiden hinteren -


und zwei erhaltene Steuerräder in der Garnisionskirche in Wilhelmshaven (links) und in der Offiziersschule Flensburg-Mürwik (rechts). Dabei handelt es sich bei dem Steuerrad in Flensburg um das vordere und bei dem Steuerrad in Wilhelmshaven um eines der beiden hinteren.

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Da uniformkundlich sehr interessant und selten möchte ich auch noch eine weiteres Foto eines An­gehörigen der Hohenzollern-Besatzung zeigen, auch wenn kein Rettungsring mit auf dem Foto ist. Es zeigt einen Obermatrosen, der das Ende seiner Dienstzeit absolviert hat und ein entsprechendes Reservistenmützenband trägt. Am linken Ärmel der Jacke ist zudem über dem Obermatrosenwinkel das "Abzeichen für Gigsteurer und Gigsgäste" der Kaiseryacht zu sehen.



Als Gig wird ein leichtes, schlankes Ruderbeiboot, das im Vergleich zu anderen Ruderbooten länge­re Riemen hat und somit mit geeigneten Ruderern höhere Geschwindigkeiten erreichen kann, be­zeichnet. Auf Kriegsschiffen war die Gig üblicherweise das Beiboot des Kommandanten. Bei der Kaisergig handelte es sich somit um das zur persönlichen Nutzung durch den Kaiser bestimmte Bei­boot der SMS Hohenzollern (II). Es handelte sich um eine Gig 1. Klasse von 10 m Länge mit einer Besatzung von 16 Ruderern und einem Bootssteuermann.

1895 wurde auf Wunsch des Kaisers für die Besatzung dieser Gig ein eigenes Ärmelabzeichen ein­geführt, das zunächst eine von einer runden Schnur umfasste Kaiserkrone zeigte. Später kamen -wie auf dem Bild zu erkennen - gekreuzte Marschallstäbe hinzu. In der Ausführung ab 1901 bestand das Abzeichen aus Krone, Marschallstäben und umgebender gelber Schnur. Die gelben Schnur ist auf diesem Bild leider bei der Bearbeitung durch den damaligen Fotografen etwas unter den Tisch ge­fallen und damit nicht so deutlich zu sehen wie Krone und Marschallstäbe, aber man erkennt bei entsprechender Vergrößerung eine dunkle Erhebung.   


Hier noch ein Foto der Kaisergig im Einsatz. Es zeigt die Ankunft des Kaisers am 20.6.1895 in Kiel-Holtenau zur Kanaleröffnung. Der Kaiser war zuvor um 4.00 Uhr morgens mit seiner Jacht S.M.S. Hohenzollern in Brunsbüttel losgefahren und lief gegen 12:30 Uhr in Kiel-Holtenau ein, wo er sich an Land begab, um im Rahmen eines Festaktes den Schlußstein des Kanals zu legen und ein Denkmal zu Ehren seines Opas, Wilhelm I, einzuweihen. Am Folgetag gab es dann u. a. noch ein großes Banket.

Das Foto links und der Ausschnitt in der Mitte zeigen den Kaiser in der Kaisergig kurz vor dem Anlegen. Der Kaiser trägt die Uniform des Gardes du Corps. Hinten im Boot steht der Kommandant der Gig, ein Offizier der Hohenzollern. Wer die anderen Herrschaften sind weis ich nicht, Hinweise werden gerne entgegen genommen.  Rechts im Bild einer der Riemen, die die Matrosen auf dem Bild links hoch halten. Dieser ist in der Sammlung der Marineschule Mürwik zu sehen. 

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