Kaisers Mar ine
 

S.M.S. WETTIN

Die am 6.6.1901 bei F. Schichau in Danzig von Stapel gelaufene und am 1.10.1902 in Dienst gestellte S.M.S. Wettin war ein Linienschiff und gehörte zur Wittelsbach-Klasse. Sie hatte eine Besatzung von rd. 680 Mann.

Nach der Abschluss der Erprobung wurde das Schiff dem I. Geschwaders der Hochseeflotte zugeteilt und versah den üblichen Flottendienst. Hervorzuheben ist lediglich das Freischleppen der auf Grund gelaufenen S.M.S. Mecklenburg im März 1905 sowie eine glimpflich verlaufene Kollision mit S.M.S. Karl dem Großen im Frühjahr 1909. Nach Abschluss des Frühjahrmanövers wurde das Schiff dann am 30.06.1911 erstmals außer Dienst gestellt. Bereits im Dezember 1911 wurde das Schiff jedoch wieder reaktiviert, um die S.M.S. Schwaben bei der Inspektion der Schiffsartillerie in Sonderburg als Artillerieschulschiff zu ersetzten. Im März und April 1912 wurde das Linienschiff vorübergehend dem Lehrgeschwader zugeteilt und am 1. Juni 1913 gemeinsam mit den Kleinen Kreuzern S.M.S. Stuttgart und S.M.S. Augsburg zur Bergung der in der Nähe von Ramsö aufgelaufenen S.M.S. Blücher herangezogen. Im selben Jahr nahm die Wettin auch an den Herbstmanövern teil, während der sie dem III. Geschwader zugeteilt war. Anschließend wurde das Schiff wieder als Schulschiff eingesetzt.

Im Krieg gehörte das Schiff zum in der Ostsee eingesetzten IV. Geschwader und nahm an verschiedenen Aktionen gegen die russische Flotte teil. Vom 11. bis 20.09.1914 und vom 5.12.1914 bis 2.04.1915 wurde die Wettin im Vorposten- und Sicherungsdienst in der Nordsee eingesetzt, um dann Anfang Mai 1915 wieder im Verband des IV. Geschwader zu einen Vorstoß in der Ostsee, der bis nördlich von Gotland führte, herangezogen zu werden. Vom 28. Mai bis zum 5. Juli 1915 wurde die Wettin dann abermals im Vorpostendienst in der Nordsee eingesetzt, bis das IV. Geschwader schließlich aus dem Bereich der Hochseestreitkräfte ausschied und dem Oberbefehlshaber der Ostsee unterstellt wurde.

Dort  wurde das Geschwader zu einem Vorstoß in den Rigaischen Meerbusen herangezogen. Nach dem Abschluss des Unternehmens verblieb das Schiff in Libau und nahm vom 9. bis 11. September 1915 an einem Vorstoß in Richtung Gotland teil. Anschließend versah es Dienst als Wachtschiff in Libau.

Da die Schiffe der Wittelsbach-Klasse nur schlecht gegen Minen- und Torpedotreffer geschützt und den neuen russischen Linienschiffen hoffnungslos unterlegen waren, wurden sie im November 1915 aus dem aktiven Einsatz abgezogen und zur Bereitschaftsdivision der Ostsee zusammengefasst. Damit lösten sie die Schiffe der Kaiser-Friedrich-Klasse ab, die außer Dienst gestellt wurden. Die Wettin verließ am 10. November gemeinsam mit S.M.S. Schwaben, S.M.S. Wittelsbach und dem Großen Kreuzer S.M.S. Prinz Heinrich Libau in Richtung Kiel. Am 19. November wurde die Besatzung des Schiffs um 389 Mann reduziert, die aufgrund der angespannten Personalsituation in der Kaiserlichen Marine auf anderen Schiffen der Marine dringend gebraucht wurden.

Die Bereitschaftsdivision wurde zum 31. Januar 1916 aufgelöst und die Wettin aus dem aktiven Flottendienst herausgezogen. Zunächst diente das Schiff als Exerzier- und Ausbildungsschiff für die Rekruten der I. Marine-Inspektion. Im Mai 1916 wurden die 24 cm SK L/40-Geschütze ausgebaut. Am 17. Juli 1916 wurde die Wettin schließlich außer Dienst gestellt und vollständig desarmiert. Anschließend diente sie mehreren Dienststellen in Kiel als Wohnschiff und wurde im August 1917 nach Cuxhaven verlegt, wo sie bis Kriegsende als Büroschiff für die I. - III. Minensuchflottillen diente.

Nach Kriegsende erfolgte noch eine kurze Verwendung in der Reichsmarine, bevor das Schiff 1921 in Wilhelmshaven abgewrackt wurde.

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Die rückseitig im November 1910 in Wilhelmshaven beschriebene Karte zeigt eine Gruppe von Matrosen mit einem Obermatrosen in der Mitte und einem Rettungsring. Der Rettungsring ist von relativ heller roter Farbe mit einer weißen Schrift. Diese besteht aus Großbuchstaben, die leicht dreidimensional wirken.